Was Stress mit uns macht


In meinem Blog «Die Sucht nach Anerkennung», habe ich über die Leistungsorientierung berichtet. Wir leben in einer Gesellschaft, die sehr nach Leistung verlangt. Als Kind wurde uns beigebracht, dass wir gut sind, wenn wir gute Noten nachhause bringen. «Es soll doch schliesslich etwas aus dir werden, Kind!» Diesen Glauben halten wir heute noch aufrecht, indem wir versuchen, möglichst viel zu erreichen, um jemand zu sein. Wir streben nach Weiterbildungen, nach Beförderungen, nach Erfolgen, die uns in unserem Wert bestätigen. Wir geraten in einen Leistungsrausch, weil es sich so gut anfühlt. Doch das Glück nach einem Erfolg ist nur von kurzer Dauer und schon brauchen wir wieder eine neue Bestätigung, damit wir uns nicht minderwertig fühlen. Dass dies ein Körper auf lange Sicht nicht mitmacht, darüber denken wir nicht gerne nach. Läuft doch alles gut, oder?


Ja, kurzfristig mag das funktionieren. Jedoch braucht jeder Körper Erholung, damit er sich regenerieren kann. Auch wenn du von Herzen liebst, was du tust, solltest du dir Auszeiten gönnen. Gerade wenn wir unsere Arbeit aus Leidenschaft machen, denken wir, Pausen seien nicht notwendig. Es macht uns doch Spass, Gas zu geben. Aber unser Körper wird reagieren, früher oder später. Dies kann sich äussern in hartnäckigen Infekten, Ohrgeräuschen, Stimmungsschwankungen, Schlafproblemen... Plötzlich werden wir wegen Kleinigkeiten krank, fühlen uns nach dem Sport kraftlos statt fit und bekommen Potenzprobleme (Frank G. & Storch M., 2019, Die Mañana-Kompetenz, S. 51).


Oft stehen wir so unter Strom, dass wir alles um uns herum ausblenden und uns nur noch vom inneren Druck leiten lassen. Wir können gar nicht mehr klar denken und handeln aus dem Überlebensmodus heraus. Unser Urteilungsvermögen ist getrübt, die Empathie bleibt auf der Strecke und die Kreativität ist blockiert. Wir sehen Möglichkeiten nicht, die in einem normalen ruhigen Zustand zu erkennen wären. Dies geschieht, weil in Stress-Situationen wichtige Körperfunktionen heruntergefahren werden, die wir zum «Überleben» nicht brauchen. Dies kann in einer wirklichen Gefahrensituation dienlich sein. Doch durch unseren täglich produzierten Stress bleibt der Körper ständig in diesem Alarmmodus und dafür ist er nicht gemacht.


Neben diesen körperlichen Aspekten finde ich persönlich verheerend, was dadurch mit unseren Beziehungen passiert. Wir sehen nur noch unsere Arbeitskollegen anstatt uns Zeit für unsere Familie und Freunde zu nehmen. «Sorry, diese Woche habe ich keine Zeit, vielleicht nächste Woche?» «Ah, ihr seid umgezogen? Habe ich gar nicht mehr gewusst».

Unter den 5 Dingen, die Sterbende am meisten bereuen, werden

- «Nicht so viel arbeiten» und

- «Mit meinen Freunden in Kontakt bleiben»

genannt. Die Menschen realisieren erst wenn es zu spät ist, dass sie die Kindheit ihres Nachwuchses und die Gesellschaft ihrer Partner verpasst haben. Wertvolle Freundschaften werden vernachlässigt, weil man so eingespannt war in seinem Leben (Ware B. & Kuhn W, 2013, 5 Dinge die Sterbende am meisten bereuen). Neben unserer grossen To-Do-Liste, wird alles weitere als Zusatzbelastung erlebt. Frage dich: Ist das, womit du die meiste Zeit verbringst, auch das, was dir am wichtigsten ist? Wo liegen deine Prioritäten?


Daneben könntest du als kleine effektive Übung mehrmals am Tag innehalten und 5 Mal tief ein- und ausatmen. Dadurch drückst du innerlich auf den STOPP-Knopf, gelangst ins Hier und Jetzt und nimmst war, wie du dich fühlst. Von weiteren Tipps sehe ich hier ab, da du vermutlich keine Zeit mehr hast, weiterzulesen. ;-)


In Liebe, eure Maja