Angst, mir selbst zu begegnen
- Maja Bollinger

- 30. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
„Weisst du, ich bin immer so gestresst, habe kaum Zeit für mich… aber ehrlich gesagt, wenn ich nichts tue... Vielleicht mache ich das, um meinen inneren Dämonen nicht zu begegnen.“ Das sagte eine Teilnehmerin meines Workshops «Zurück zu mir». Und sie brachte es für mich auf den Punkt.
Oft scheint es einfacher, im Tun zu bleiben oder dich abzulenken. Ein Audio-Book läuft, während du gleichzeitig durch Social Media scrollst. Du fütterst dein Gehirn mit neuen Reizen, statt ihm Erholung zu gönnen. Statt einmal innezuhalten und zu spüren, was eigentlich da ist. Was dein Inneres dir schon lange sagen möchte.
Warum wir nicht fühlen wollen
Gefühle wie Angst, Wut oder Traurigkeit wurden als Kind oft nicht gesehen oder ausgehalten. Also haben wir sie unterdrückt. Unsere Eltern haben es auch so gelernt. Es war niemand da, der uns beigebracht hätte, wie man Gefühle zulässt, ohne daran zu zerbrechen. Stattdessen verinnerlichten wir Sätze wie: „Reiss dich zusammen“, „Du musst stark sein“, „Keine Zeit für Schwäche“, „Du musst etwas leisten, um wertvoll zu sein“.
Und so verdrängen wir auch heute noch alles, was sich unangenehm anfühlt. Wir glauben, keine Zeit dafür zu haben. Wir wollen funktionieren, für andere da sein, uns beweisen.
Die Gefühle gehen nicht weg – sie zeigen sich anders
Gefühle, die du vermeidest, verschwinden nicht. Sie verwandeln sich. In innere Unruhe, Gereiztheit oder das Gefühl, leer zu sein. In ständige Selbstzweifel oder in Überforderung. Oder in Form starker Reaktionen auf andere Menschen, die etwas in dir auslösen, das du nicht einordnen kannst. Wenn du mutig bist und hinschaust, öffnet sich eine Tür. Dann erkennst du, was dich wirklich bewegt. Und du kannst beginnen, dich selbst zu verstehen. Das ist der erste Schritt in Richtung innerer Frieden.
Die Geschichte meiner Klientin
Sonja, meine Klientin, hatte alles erreicht, was sie sich je erträumt hatte. Und doch: „Ich hinterfrage gerade alles. Ich weiss nicht, ob das wirklich mein Leben ist.“ Sie wuchs in einer Grossfamilie auf. Nähe, Zuwendung, echte Liebe gab es nicht. Leistung zählte, mithelfen, arbeiten. Weil sie innerlich nach Anerkennung schrie, lief sie als Sechsjährige von zu Hause weg. Doch als sie zurückkam, hatte niemand bemerkt, dass sie den ganzen Tag weg gewesen war.
Sie fühlte sich unsichtbar, nicht wertvoll, nicht liebenswert. Dieses Kind in ihr lebt noch heute. Es kämpft um Anerkennung. Es fühlt sich nur wertvoll, wenn es funktioniert. Kein Wunder, dass sie rennt, sich aufopfert, immer gibt. Und irgendwann spürt: So geht es nicht mehr. Doch sie wagte den Blick nach innen. Sie gab dem inneren Kind Raum und erlebte etwas Kostbares: Die Angst vor dem Gefühl war schlimmer als das Gefühl selbst.Heute hat sie ihren Alltag verändert. Sie leistet immer noch viel aber nicht mehr über ihre Grenzen hinaus. Sie liest wieder, geht in die Natur und kann die Zeit mit sich selbst geniessen.
Warum du nicht weglaufen musst
Wenn du dich nicht mehr spürst, ist das kein persönliches Versagen. Es ist ein Ruf deiner Seele, endlich hinzuschauen. Du darfst dich fragen: Lebe ich mein Leben oder funktioniere ich noch immer für ein altes System?
Fazit
Sich selbst zu begegnen, erfordert Mut. Doch hinter dieser Angst wartet Heilung. Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht alles allein schaffen. Aber du darfst beginnen, ehrlich mit dir zu sein. Vielleicht, indem du dir morgens zehn Minuten Zeit nimmst, um still zu werden. Vielleicht, indem du abends deine Gedanken aufschreibst. Oder indem du dir zwischendurch einfach erlaubst, zu fühlen, statt weiter zu rennen. Oft beginnt Veränderung in den kleinsten Momenten.
Du möchtest diesen Weg nicht allein gehen? Ich begleite dich gerne in 1:1 Coachings, Seminaren oder mit Instagram-Impulsen.
Hier darfst du mehr DU sein.
In Liebe, deine Maja


